Robert Neveling wohnt seit 2010 hier im Ort und hat am 07.06.2018 den 1. Höhenkirchener Biomarkt eröffnet. Damals lagen 5 Jahre Suche nach einem passenden Objekt und nach passenden Produkten hinter ihm.  Die vorhandene Maschinenhalle wurde in nur 4 Monaten zum Verkaufsraum des Robert’s Bio-GenussMarktes umgebaut. Wir trafen ihn zum Jubiläum zu einem Gespräch.

Gratulation zum 1. Jahr! Wenn Sie zurückblicken, was hat sich in Ihrem Biomarkt in den letzten Monaten getan?

Dankeschön! Wie bei einer jeder Neueröffnung – und es ist ja unsere erste eines Einzelhandels überhaupt – gab es natürlich am Anfang ein paar Punkte, die wir noch nach und nach anpassen mussten. Ich musste lernen, mit den technischen Anlagen zurecht zu kommen, das Sortiment mengenmäßig richtig zu bestellen und die Einsatzzeiten meines Personals zu planen. Aber es läuft immer besser. Seit Beginn haben wir eine positive lineare Entwicklung bei den Kundenzahlen, es kamen jeden Monat mehr Kunden zu uns. Was mir aber auffällt, ist, dass sich die Höhenkirchener noch nicht wirklich hertrauen. Meine Kunden und Kundinnen kommen eher aus Siegertsbrunn, aus den Nachbargemeinden wie Egmating, Aying, Hohenbrunn, Wächterhof, der Leopoldsiedlung und Brunnthal, aber weniger aus Höhenkirchen. Aber ich denke, dass sich das noch ändern wird.

Auf den Biomarkt bin ich schon richtig stolz. Man muss sich das vorstellen, dass in dieser 20 Jahre alten Maschinenhalle – und das Alter sieht man ihr überhaupt nicht an – mal die Traktoren reingefahren sind und Kartoffeln in die erhaltenen 10 Einlässe gekippt haben. Unter diesem Boden geht es 6 Meter in die Tiefe, da kann man noch Teile der alten Waschanlage sehen. Die gewaschenen Kartoffeln gingen dann rüber zum Nachbargebäude, um in der damaligen Brennerei zu Alkohol zu werden. . Eigentlich wollten wir an einer Stelle einen Glasboden einlassen, damit unsere Kunden nach unten schauen können. Aber das wäre aufgrund gesetzlicher Bestimmungen einfach zu teuer geworden. Eigentlich schade…

Wir wollten dieses Projekt unbedingt auch dort umsetzen, wo unsere Kinder zur Schule gehen. Und so fühlt sich das Projekt auch ein bisschen wie ein Baby an, das noch wachsen darf. Es gibt noch viele Ideen zum Umsetzen. So denken wir gerade über eine Seminarreihe nach, die wir hier ab September veranstalten wollen und dazu ReferentenInnen einladen wollen. Es soll um Lebensmittel, also als ein Mittel zum Leben, gehen, genauso wie um gesundheitliche Themen. Verkostungen sollen zunehmen, über einen Mittagstisch denken wir ebenso nach…

Als ich das erste Mal in Ihren Markt gekommen bin, ist mir vor allem die große Brottheke gleich positiv aufgefallen. Woher beziehen Sie das Brot? Welche Bereiche im Markt möchten Sie noch herausstellen?

Das Brot stammt tatsächlich hier aus der Umgebung. Wir kriegen jeden Morgen frische Brot- und Backwaren aus Aying (Fritz Mühlenbäckerei) und aus Glonn (Glonntaler Backkultur).

Die Aufstellung der Regale ist bei uns anders als bei vielen Supermärkten angeordnet. Bei uns geht der Kunde links herum, wobei die Aufstellung der Produkte dem Tagesablauf folgt. Also zu Beginn Produkte fürs Frühstück, dann zum Mittagessen und kurz vor den Kassen befinden sich die „Belohnungsregale”. Aber auch ein Abkürzen ist jederzeit möglich.

Am Eingang, gegenüber von der Brottheke, befindet sich zum Beispiel die Obst- und Gemüseabteilung. Diese Waren gehen über Nacht ins Kühlhaus im Nachbargebäude und werden am nächsten Tag zusammen mit der täglich gelieferten Frischware tatsächlich handverlesen wieder eingeräumt.

Unsere Käsetheke ist unser Highlight. Keine umwickelnde Präsentationsfolie, die Schimmelbildung begünstigen kann und den Reifeprozess unterbricht, nein, alles unverpackt. Der Käse präsentiert sich in einer speziellen angepassten „benebelten“ Atmosphäre, kann leicht verkostet werden und einfach für sich weiterreifen. Genuss pur statt Verpackungsmüll.

Bei uns kann der Kunde bzw. die Kundin auch eigene Transport- und Aufbewahrungsgefäße mitbringen, in der dann die Lebensmittel – natürlich unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften – mitgegeben werden. Für die Antipasti haben wir aber auch kleine Glasgefäße mit eigenem Pfandsystem.

Schließlich darf ich noch unsere Heiz- und Klimatechnik ansprechen, die mit Wärmetauschern und Kälte- und Wärmepufferspeichern erst ab einer Temperatur von kleiner 3 Grad Bio-Flüssig-Gas benötigt. Außerdem befindet sich in den Kellerräumen bereits eine CO2-Kälteanlage, die den benötigten Kühlkreislauf für Theken und Kühlmöbel klimaneutral liefert. Bei der Lichttechnik haben wir energie- und abwärmesparende LED-Lampen im Einsatz.

Ach ja … freitags geben wir unsere Brote, die während der Woche verblieben sind, zunächst eingefroren und dann frisch aufgetaut gerne an unsere Tafel im Ort ab.

Wenn Sie so erzählen, merkt man richtig, wie viel Spaß Sie an dem Markt haben…

Das stimmt! Ich habe ja zuerst lange im Bankwesen gearbeitet, hatte aber schon immer einen besonderen Bezug zu Lebensmitteln. Und hier kann ich jetzt viel an Ideen und Wissen an die Kunden und Kundinnen weitergeben. Ich finde, dass eine Nudel im Regal nicht nur ein Produkt sein muss, sondern manchmal auch eine Geschichte erzählen kann. Oder als wir schöne Bio-Radieserl hatten und ich einer Kundin an der Kasse erzählte, dass man das Radieschengrün auch wunderbar für einen Salat verwenden kann und dann die Schlange an der Kasse länger wurde, weil die anderen Kunden auch Interesse am Rezept hatten, ja das motiviert mich jedesmal aufs Neue…

Welche Produkte in Ihrem Markt sind besonders regional?

Leider ist es gar nicht so einfach, einzelnes Obst oder Gemüse von verschiedenen Bauern direkt zu beziehen. Deshalb bekommen wir diese Lebensmittel vorwiegend von Ökoring in Mammendorf bei Fürstenfeldbruck, der nicht nur über ein super Netzwerk verfügt, sondern auch persönlich überzeugt und wir deshalb auch seine Preisempfehlungen übernehmen.

Aber die Auswahl muss man natürlich auch abwägen. Wir hatten auch schon Unverständnis dafür geerntet, dass außerhalb der Saison keine Erdbeeren im Angebot waren. Dafür hatten wir letztes Jahr aber auch einmal bayerischen Ingwer. Der kommt eigentlich sonst aus Peru. An der Kasse habe ich die Leute dann immer gefragt, ob sie statt dem peruanischen Ingwer auch mal den bayerischen testen wollen und hab es dann bei Interesse gleich ausgetauscht. Die Leute waren von der heimischen Qualität schon überrascht…

Hier im Ort gibt es ja auch den Waldgärtner Siggi mit seiner solidarischen Landwirtschaft. Letztes Jahr hatten wir das Glück, eine kleine Auswahl seines besonderen Gemüses anbieten zu dürfen. Regionaler, besser lokaler, geht es ja nicht. Gerne würde ich das wiederholen. Mal sehen, ob es klappt.

Am Bahnhof befindet sich Werbung für eine Abholbox, welche Sie noch anbieten wollen. Wie ist da der Stand?

Das stimmt, das hat sich noch leider verzögert. Sowohl die technische Anbindung an unseren Laden als auch die Frage Strom oder Photovoltaik bzw. Erprobtes oder Neues lassen Zeit ins Land gehen. Wenn es dann soweit ist, dann soll die Box am Bahnhof stehen und zweimal täglich frisch befüllt werden. Dann können zum Beispiel Familien mit Kindern oder unsere Pendler ihre zuvor online bestellten Produkte direkt dort abholen. Die Box wird mindestens 20 Fächer haben, in jedem Fach ist Platz bis zur Größe eines Umzugkartons. Wir hoffen, dass wir noch dieses Jahr damit starten können.

Im Ort gibt es aktuell einige Baustellen. Spüren Sie Auswirkungen auf Ihr Geschäft?

Ja, das kann man schon so sagen. Die Kundenzahl montags bis mittwochs hat sich halbiert. Aus meiner Sicht ist aber auch die Beschilderung an den Ortseingängen irreführend. Viele Leute denken, man kann gar nicht bis ins Ortszentrum fahren. Ich hoffe persönlich und für uns Ladner und Gewerbetreibenden auf eine geschäftsorientiertere Beschilderung während der großen lang andauernden Kreisel-Baustelle. Mit dem Radl oder zu Fuß wird’s ja vielleicht sogar leichter, zu uns zu kommen.

Wir danken fürs Gespräch!
(Gespräch: D. Dommer)

 

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